Zeddenbacher Mühle.
scroll

Unser Tag in der Zeddenbacher Mühle.

Es ist wirklich nicht immer leicht, Vater einer Tochter zu sein. Man möchte ihr gerecht werden, aber auch kein Klischee-Kind erziehen. Dann schaltet man den Fernseher an, oder geht einkaufen und alles ist rosa für Mädchen. Egal ob Lebensmittel, Kleidung oder die Werbung dafür.

Aber Leonie soll noch mehr kennen lernen als Elsa von Frozen. Darum zeige ich ihr so viel wie möglich von dieser Welt und gehe auf Entdeckungstour mit ihr. Als Vater möchte ich sie schließlich auch ein wenig für Technik und Wissenschaft begeistern. Bisher gelingt mir das auch ganz gut.

Unser neues Zuhause in der Saale-Unstrut-Region ist dafür ideal. Hier gibt es so viel zu erleben: Kunst, Kultur, Natur, Spaß. Und besonders viel Spaß hatte die ganze Familie neulich in der Zeddenbacher Mühle. Ich kann nicht sagen, ob meine Begeisterung für das Handwerk, welches hier nachgewiesen seit 1200 Jahren betrieben wird, größer war als die von Leonie über ihr selbst gemahlenes Mehl.

Man begleitet den Müller bei seiner Arbeit, spürt die Tradition, sieht, wie so alltägliche Dinge wie Mehl, hergestellt werden und kann sogar mitmachen. Da musste ich mich als Vater schon ein wenig zusammenreißen, um Leonie den Vortritt zu lassen. Da ich schon immer begeistert bin von Technik, war dies natürlich für mich unglaublich spannend zu sehen. Die alte Mühlentechnik, wie sie hier betrieben wird, ist natürlich in Effizienz nicht vergleichbar mit der heutigen Industriemüllerei. Aber genau diese historische Technik, hat den Bestand der Zeddenbacher Mühle gesichert. Bis zum Jahr 1989 wurden noch 25 Tonnen Mahlgut täglich produziert. Heute ist es nur noch ein kleiner Teil davon. Dafür wird individuell für die Bäckereien gearbeitet. Neben hochwertigen Mehlen aus Weizen und Roggen wird die Kleie als wichtigstes Nebenprodukt als Futtermittel verwendet. Der Müller erklärte, dass die langsamen Mahlprozesse besonders schonend sind und dadurch die hohe Qualität gewährleistet werden kann. Seit etwa Mitte der 90er Jahre wird die Wasserkraft der Mühle nicht nur für die eigene Produktion genutzt, sondern auch mit Francisturbinen – wie ich gelernt habe – in das öffentliche Netz gespeist. So findet auch die überschüssige Energie Verwendung und die Mühle unterstützt die Region noch mehr.

Ich bin so froh, dass meine Frau und auch meine Tochter sich für solche Ausflüge begeistern können. Es war ein tolles Erlebnis in der Mühle. Auch Leonie schwärmte von dem alten Gebäude und wie gut doch dieses frische Mehl riecht. Der Müller hat sich auch wirklich große Mühe gegeben. Er hat all die Prozesse großartig gezeigt und erklärt. Seit 120 Jahren steht das heutige Mühlengebäude und gehört seit dem der Familie Schäfer. Die vorigen Mühlengebäude hatten wohl mehrmals mit Bränden zu kämpfen und mussten in Zuge dessen immer wieder neu errichtet werden, erklärte der Müller. Aber die Technik in der Mühle stamme größtenteils noch aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es war wirklich super interessant. Familie Schäfer ist es zuzuschreiben, dass die Mühle heute nicht nur ein Museum, sondern ein technisches Denkmal voller Leben ist. Ohne sie gäbe es vermutlich keine echte Produktion mehr. Ich finde es großartig, mit welcher Hingabe sich die Familie um den letzten Betrieb seiner Art in der Region kümmert.

Mit neuem Wissen gespeist und den Köpfen voller Erlebnisse sind wir im Anschluss noch im Mühlenrestaurant Feiße essen gewesen. Auch das ist absolut empfehlenswert. Bevor es dann zurück ging, haben wir uns im Mühlenladen noch mit diversen Mehlen, Backzutaten und Bio-Müsli versorgt. Nur mit dem Jahresvorrat hat es nicht ganz geklappt. Aber wir kommen bestimmt wieder. Leonie und Jana sind auch dafür.